1. Überblick: ProtonVPN auf Linux

ProtonVPN bietet für Linux mehrere Installationsmethoden: den offiziellen CLI-Client (protonvpn-cli), der vollständig über das Terminal bedient wird, und seit einiger Zeit auch eine grafische Benutzeroberfläche als GNOME-Desktopanwendung. Beide Varianten werden aktiv weiterentwickelt und unterstützen WireGuard, Kill Switch sowie NetShield (Plus-Tarif).

Für fortgeschrittene Nutzer gibt es außerdem die Option, WireGuard nativ ohne den ProtonVPN-Client zu betreiben: Du lädst eine WireGuard-Konfigurationsdatei aus deinem ProtonVPN-Account herunter und nutzt wg-quick direkt – das ist die ressourcensparendste und schnellste Methode, aber ohne die komfortablen Verwaltungsfunktionen des ProtonVPN-Clients.

In dieser Anleitung konzentrieren wir uns auf den CLI-Client, da er auf allen Debian-basierten Systemen funktioniert – auch ohne grafische Oberfläche (Headless-Server, SSH-Verbindungen usw.).

2. Voraussetzungen

  • Ubuntu 20.04 LTS oder neuer (22.04, 24.04) oder Debian 10 (Buster) oder neuer
  • sudo-Rechte auf dem System
  • Aktiver ProtonVPN-Account (kostenlos oder Plus)
  • Internetverbindung für den Download
Hinweis: Andere Distributionen wie Fedora, Arch oder openSUSE werden ebenfalls unterstützt, aber die genauen Befehle weichen ab. Auf der Seite protonvpn.com/support/linux-vpn-setup findest du Anleitungen für alle gängigen Distributionen.

3. Installation unter Ubuntu/Debian

ProtonVPN stellt ein eigenes apt-Repository bereit, über das du immer die aktuelle Version bekommst und automatische Updates erhältst. Die Installation erfolgt in drei Schritten: Repository-Schlüssel einrichten, Repository hinzufügen, Paket installieren.

Öffne ein Terminal (Strg + Alt + T) und führe die folgenden Befehle der Reihe nach aus:

Schritt 1: Installationspaket herunterladen

wget https://repo.protonvpn.com/debian/dists/stable/main/binary-all/protonvpn-stable-release_1.0.3-2_all.deb

Schritt 2: Repository-Paket installieren und Paketliste aktualisieren

sudo dpkg -i protonvpn-stable-release_1.0.3-2_all.deb
sudo apt update

Schritt 3a: ProtonVPN mit GUI installieren (empfohlen für Desktop-Nutzer)

sudo apt install proton-vpn-gnome-desktop

Schritt 3b: Nur CLI-Client installieren (für Server/Terminal-Nutzer)

sudo apt install protonvpn-cli

Nach der Installation steht dir der Befehl protonvpn-cli im Terminal zur Verfügung. Die GUI-App findest du im GNOME-App-Menü unter „ProtonVPN".

Wichtig: Prüfe auf protonvpn.com/download stets die aktuell gültige Versionsnummer des Installationspakets, da sich diese mit der Zeit ändern kann. Die obigen Befehle zeigen das Prinzip – die genaue Dateibezeichnung kann abweichen.

4. In ProtonVPN einloggen

Nach der Installation meldest du dich mit deinen ProtonVPN-Zugangsdaten an. Diese sind identisch mit deinem Proton-Account (der Account, den du auch für Proton Mail nutzt). Führe dazu im Terminal aus:

protonvpn-cli login

Das Terminal fordert dich dann zur Eingabe von Benutzername und Passwort auf. Nach erfolgreichem Login bestätigt der Client die Anmeldung mit einer kurzen Statusmeldung. Deine Zugangsdaten werden sicher lokal gespeichert, sodass du dich nicht bei jeder Verbindung neu einloggen musst.

5. Mit dem VPN verbinden

Der einfachste Weg ist die Schnellverbindung – ProtonVPN wählt dabei automatisch den schnellsten verfügbaren Server für deinen Standort:

protonvpn-cli connect --fastest

Möchtest du dich mit einem deutschen Server verbinden, kannst du den Ländercode angeben:

protonvpn-cli connect -c DE

Für einen bestimmten Server (z. B. DE#5) nutze:

protonvpn-cli connect DE#5

Den Status der aktuellen Verbindung prüfst du mit:

protonvpn-cli status

Zum Trennen der Verbindung:

protonvpn-cli disconnect

6. Kill Switch aktivieren

Der Kill Switch ist eine der wichtigsten Sicherheitsfunktionen – er unterbindet sofort jeglichen Internettraffic, sobald die VPN-Verbindung abreißt. Das verhindert, dass deine echte IP-Adresse oder unverschlüsselte Daten versehentlich nach außen gelangen. Unter Linux aktivierst du ihn mit einem einzigen Befehl:

protonvpn-cli killswitch --on

Um den Kill Switch wieder zu deaktivieren:

protonvpn-cli killswitch --off

Du kannst auch den permanenten Kill Switch aktivieren, der auch dann greift, wenn du dich manuell von ProtonVPN trennst oder der Rechner neustartet – solange keine VPN-Verbindung besteht, bleibt das Internet blockiert:

protonvpn-cli killswitch --permanent
Achtung: Mit aktiviertem permanentem Kill Switch kommst du nicht mehr ins Internet, wenn ProtonVPN nicht läuft. Stelle sicher, dass du Autostart konfiguriert hast (siehe nächster Abschnitt), bevor du den permanenten Kill Switch aktivierst.

7. Automatisch beim Start verbinden

Um ProtonVPN beim Systemstart automatisch zu verbinden, kannst du einen systemd-Service anlegen. Das ist besonders nützlich für Server oder Workstations, die ohne manuelle Eingriffe stets mit dem VPN verbunden sein sollen.

Erstelle zunächst eine Service-Datei:

sudo nano /etc/systemd/system/protonvpn-autoconnect.service

Füge dort folgenden Inhalt ein:

[Unit]
Description=ProtonVPN Auto-Connect
After=network-online.target
Wants=network-online.target

[Service]
Type=oneshot
ExecStart=/usr/bin/protonvpn-cli connect --fastest
RemainAfterExit=yes
ExecStop=/usr/bin/protonvpn-cli disconnect

[Install]
WantedBy=multi-user.target

Speichere die Datei (Strg+O, dann Enter, dann Strg+X) und aktiviere den Service:

sudo systemctl daemon-reload
sudo systemctl enable protonvpn-autoconnect
sudo systemctl start protonvpn-autoconnect

8. WireGuard nativ unter Linux nutzen (Fortgeschrittene)

Wer den ProtonVPN-Client nicht nutzen möchte oder auf einem Server ohne grafische Oberfläche arbeitet, kann WireGuard direkt über das native Linux-Kernelmodul einrichten. Das ist die schnellste und ressourcensparendste Option, da kein zusätzlicher Prozess läuft.

Stelle sicher, dass WireGuard installiert ist:

sudo apt install wireguard

Lade dann auf account.protonvpn.com unter Downloads → WireGuard eine Konfigurationsdatei für deinen gewünschten Server herunter. Kopiere sie auf den Linux-Rechner und aktiviere die Verbindung mit:

sudo wg-quick up /pfad/zur/protonvpn-de.conf

Zum Trennen:

sudo wg-quick down /pfad/zur/protonvpn-de.conf

Den Status der WireGuard-Verbindung siehst du mit:

sudo wg show

9. Häufige Linux-Probleme

DNS-Leak unter Linux: Einige Netzwerkkonfigurationen unter Linux (besonders mit systemd-resolved oder resolvconf) können dazu führen, dass DNS-Anfragen trotz aktivem VPN über den ISP-DNS laufen. Überprüfe dies auf dnsleaktest.com. Eine häufige Lösung: In der WireGuard-Konfigurationsdatei sind DNS-Server eingetragen – stelle sicher, dass DNS = 10.2.0.1 (ProtonVPN-DNS) vorhanden ist. Beim CLI-Client kümmert sich ProtonVPN normalerweise automatisch darum.

NetworkManager-Integration: Wenn du NetworkManager nutzt, kann es zu Konflikten mit dem ProtonVPN-CLI kommen. Stelle sicher, dass der ProtonVPN-CLI nicht gleichzeitig mit einer manuellen NetworkManager-VPN-Konfiguration läuft. Im Zweifelsfall ist der ProtonVPN-GUI-Client (proton-vpn-gnome-desktop) besser für NetworkManager-basierte Desktops geeignet, da er direkt integriert ist.

Weitere Hilfe findest du in unserem Artikel ProtonVPN funktioniert nicht – die häufigsten Probleme oder direkt im ProtonVPN-Support unter protonvpn.com/support.