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ProtonVPN Secure Core erklärt: Doppelter Schutz gegen Überwachung

Secure Core ist eines der mächtigsten – und am wenigsten verstandenen – Features von ProtonVPN. Wir erklären, wie das Double-VPN-Prinzip wirklich funktioniert, wann es sinnvoll ist und was es kostet.

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1. Was ist Secure Core?

Bei einem normalen VPN verbindest du dich mit einem VPN-Server – dieser entschlüsselt deinen Traffic und leitet ihn ans Ziel. Das ist sicher für den Großteil der Nutzer. Das Problem: Der Exit-Server (also der VPN-Server im Zielland) kennt deine echte IP-Adresse. Wird dieser Server überwacht, kompromittiert oder von Behörden beschlagnahmt, könnte deine Identität zurückverfolgt werden.

Secure Core löst dieses Problem mit einem zusätzlichen Hop: Dein Traffic geht zuerst durch einen Secure Core-Server (in Schweizer, isländischer oder schwedischer Infrastruktur) und dann erst zum Exit-Server im Zielland. Der Exit-Server sieht nur die IP des Secure Core-Servers, nicht deine echte IP. Selbst ein kompromittierter Exit-Server verrät nichts über dich.

Einfach erklärt: Normales VPN = ein Tunnel. Secure Core = zwei Tunnel hintereinander. Der zweite Tunnel weiß nicht, wer am Anfang des ersten Tunnels sitzt.

2. Wie funktioniert es technisch?

Secure Core ist ProtonVPNs Implementierung von Multi-Hop-VPN (auch bekannt als Double VPN). Der Unterschied zu generischen Double-VPN-Angeboten: ProtonVPN kontrolliert die Secure Core-Server physisch und betreibt sie in eigenem Rechenzentrumsraum – nicht bei Drittanbieter-Hosting. Das macht es für externe Akteure deutlich schwerer, die Server heimlich zu kompromittieren oder abzuhören.

Die Verbindungskette sieht so aus:

  1. Dein Gerät → verschlüsselt mit ProtonVPN-Client
  2. → Secure Core-Server (CH/IS/SE) – entschlüsselt die äußere Schicht
  3. → Exit-Server im Zielland – entschlüsselt die innere Schicht
  4. → Ziel-Website / Ziel-Server

Die Schweizer Server stehen unter dem Schutz des Schweizer Datenschutzgesetzes (revDSG), das zu den strengsten der Welt zählt. Island und Schweden sind nicht Teil der Five Eyes-Geheimdienstallianz und haben starke nationale Datenschutzgesetze.

3. Wann brauchst du Secure Core?

Ehrliche Antwort: Die meisten Nutzer brauchen Secure Core nicht. Ein normaler ProtonVPN-Server schützt vollkommen ausreichend vor den typischen Bedrohungen (ISP-Überwachung, WLAN-Sniffing, Geo-Blocking).

Secure Core ist für ein erhöhtes Bedrohungsmodell gedacht:

  • Journalisten in Ländern mit Presseüberwachung
  • Aktivisten und Dissidenten, die befürchten, gezielt verfolgt zu werden
  • Whistleblower, die sensible Informationen kommunizieren
  • Nutzer aus Hochrisikoländern (China, Iran, Russland), bei denen Exit-Server aktiv überwacht werden könnten
  • Nutzer, die adversarielle staatliche Akteure als reale Bedrohung einschätzen
Nicht verwechseln: Secure Core schützt deine IP vor dem Exit-Server. Es verschlüsselt nicht doppelt stark – das wäre ein Missverständnis. Die Stärke liegt in der Routing-Architektur, nicht in der Verschlüsselungsstärke.

4. Verfügbare Einstiegsländer

ProtonVPN betreibt Secure Core-Einstiegsserver aktuell in drei Ländern:

LandDatenschutzgesetzFive Eyes?Infra
🇨🇭 SchweizrevDSG (sehr stark)Eigene Rechenzentren
🇮🇸 IslandStark, nicht EU-gebundenEigene Rechenzentren
🇸🇪 SchwedenEU DSGVOEigene Rechenzentren

Über jeden dieser Einstiegspunkte kannst du dann einen Exit-Server in über 60 Ländern wählen. Im ProtonVPN-Client erkennst du Secure Core-Verbindungen am doppelten Pfeil-Icon und der Anzeige „CH >> DE" (Schweiz → Deutschland).

5. Auswirkung auf die Geschwindigkeit

Jeder zusätzliche VPN-Hop bedeutet mehr Latenz und weniger Durchsatz. In der Praxis bedeutet Secure Core:

  • Latenz: Spürbar erhöht (50–150 ms mehr, je nach Standort)
  • Bandbreite: Typisch 20–50 % geringer als ohne Secure Core
  • Streaming: HD funktioniert meistens, 4K kann ruckeln
  • Gaming: Für latenzempfindliche Spiele nicht empfohlen

Für sichere Kommunikation, E-Mails, Recherche und normales Surfen sind die Einbußen irrelevant. ProtonVPN empfiehlt Secure Core ausdrücklich nicht als Standard – sondern als Werkzeug für spezifische Hochrisiko-Situationen.

6. Secure Core aktivieren

Secure Core ist in ProtonVPN Plus und Proton Unlimited enthalten – nicht im kostenlosen Tarif. So aktivierst du es:

  1. Öffne die ProtonVPN-App (Desktop oder Mobil)
  2. Gehe zu Einstellungen → Verbindung (oder den Schieberegler direkt im Hauptfenster)
  3. Aktiviere den Schalter „Secure Core"
  4. Wähle im Servermenü einen Einstiegspunkt (CH, IS oder SE)
  5. Wähle dann das Zielland – die Verbindung zeigt nun z. B. „CH >> DE"

Alternativ: Klicke in der Serverliste auf „Secure Core" im oberen Bereich der App. Du siehst dann direkt alle Kombinationen aus Einstiegs- und Exit-Land.

Tipp: Für den Alltag reicht normaler Server. Aktiviere Secure Core nur, wenn du in einer Hochrisikosituation bist oder dich in einem Land mit starker Internet-Überwachung befindest.

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Multi-Hop-Routing: Wie die verschachtelten Tunnel technisch funktionieren

Secure Core ist technisch eine Implementierung von Multi-Hop-VPN – zwei ineinander verschachtelte VPN-Tunnel. Verstehen lässt sich das am besten, wenn man die Pakete auf ihrem Weg durch das Netzwerk verfolgt.

Außentunnel (Gerät → Secure-Core-Server): Dein VPN-Client verschlüsselt das Datenpaket zunächst für den Secure-Core-Server in Island, Schweden oder der Schweiz. Dieser Tunnel verwendet WireGuard oder OpenVPN mit AES-256-GCM-Verschlüsselung. Der Secure-Core-Server entschlüsselt die äußere Hülle – sieht dabei deine echte IP-Adresse – und findet darin ein erneut verschlüsseltes Paket.

Innentunnel (Secure-Core-Server → Exit-Server): Das innere Paket ist für den Exit-Server im Zielland bestimmt und wurde bereits auf deinem Gerät verschlüsselt. Der Secure-Core-Server leitet es weiter – er kennt dein Ziel (Exit-Server), aber nicht den eigentlichen Inhalt deines Traffics. Der Exit-Server empfängt das Paket und sieht als Absender-IP nur die IP des Secure-Core-Servers, niemals deine echte.

Das Ergebnis dieser Architektur:

  • Der Exit-Server kennt deine echte IP nicht – selbst wenn er kompromittiert oder behördlich beschlagnahmt wird.
  • Der Secure-Core-Server kennt zwar deine echte IP, aber nicht, welche Websites du besuchst (da der Traffic für ihn verschlüsselt bleibt).
  • Ein Angreifer müsste gleichzeitig beide Server kontrollieren und die Verbindungen korrelieren – das ist das sogenannte Traffic-Korrelations-Angriffsszenario, gegen das Secure Core besonders gut schützt.
Technischer Hinweis: ProtonVPN betreibt die Secure-Core-Server auf eigener dedizierter Hardware in den jeweiligen Ländern – nicht bei Drittanbieter-Rechenzentren. Das eliminiert das Risiko, dass ein Hosting-Anbieter kompromittiert wird und heimlich auf die Serverinfrastruktur zugreift. Die Secure-Core-Server in der Schweiz stehen im Proton-eigenen Rechenzentrum in Genf.

Gegenüber einem einfachen VPN bedeutet Secure Core einen messbaren Geschwindigkeitsverlust durch den zusätzlichen Hop: typischerweise 20–50 % weniger Bandbreite und 50–150 ms mehr Latenz. Für Hochrisikosituationen, in denen staatliche Akteure Exit-Server überwachen könnten, ist dieser Trade-off klar gerechtfertigt.

Häufige Fragen

Secure Core ist ProtonVPNs Double-VPN-Funktion. Dein Traffic wird durch zwei hintereinandergeschaltete VPN-Server geleitet. Der erste (Secure Core-Server) steht in Ländern mit starkem Datenschutz (Schweiz, Island, Schweden) in eigener physischer Infrastruktur. Der zweite ist der Exit-Server im Zielland. Selbst wenn der Exit-Server kompromittiert wird, kennt er deine echte IP nicht.

Typischerweise verlierst du 20–50 % Bandbreite und hast spürbar höhere Latenz durch den zusätzlichen VPN-Hop. Für normales Surfen und sichere Kommunikation ist das kein Problem. Für 4K-Streaming und latenzempfindliches Gaming ist Secure Core nicht ideal.

Für den Durchschnittsnutzer reicht ein normaler VPN-Server vollkommen aus. Secure Core ist für Nutzer mit erhöhtem Bedrohungsmodell gedacht: Journalisten, Aktivisten, Whistleblower oder Menschen in Ländern mit Massenüberwachung.

ProtonVPN betreibt Secure Core-Server in der Schweiz, Island und Schweden. Alle drei haben starke Datenschutzgesetze und sind nicht Teil der Five Eyes-Geheimdienstallianz. Die Server stehen in eigener physischer Infrastruktur von Proton.

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