1. Das Wichtigste zuerst: Wem gehört ExpressVPN?

Diesen Punkt lassen viele VPN-Vergleiche bewusst weg – dabei ist er entscheidend für die Frage, wie viel Vertrauen du einem VPN-Anbieter schenken solltest.

ExpressVPN wurde 2021 für 936 Millionen US-Dollar von Kape Technologies aufgekauft. Kape Technologies ist ein britisch-israelisches Investmentunternehmen, das zuvor unter dem Namen Crossrider firmierte. Crossrider vertrieb bis 2016 Adware und Browser-Hijacking-Software – also genau die Art von Schadsoftware, vor der ein VPN eigentlich schützen soll.

Kape hat neben ExpressVPN auch andere VPN-Marken wie Private Internet Access (PIA) und CyberGhost aufgekauft und betreibt zahlreiche VPN-Bewertungsportale, auf denen die eigenen Produkte naturgemäß gut abschneiden. Zusätzlich wurde 2021 bekannt, dass der damalige ExpressVPN-CIO Daniel Gericke zuvor für eine israelische Überwachungsfirma gearbeitet und für die US-Regierung berichtet hatte.

Klartext: Das bedeutet nicht automatisch, dass ExpressVPN heute unsicher ist. Kape hat in Transparenz investiert und unabhängige Audits durchführen lassen. Aber wer ein VPN kauft, kauft Vertrauen – und diese Geschichte ist relevant für deine Entscheidung.

ProtonVPN gehört hingegen der Proton AG, einem gemeinnützig ausgerichteten Schweizer Unternehmen, das 2014 von CERN-Wissenschaftlern gegründet wurde. Proton ist nicht Teil eines Investmentportfolios, hat keine umstrittene Vergangenheit und ist auf langfristigen Datenschutz als Kernmission ausgerichtet.

2. Datenschutz & Unternehmensstandort

ProtonVPN hat seinen Sitz in Genf, Schweiz – außerhalb der EU, der 5/9/14-Eyes-Überwachungsallianzen und ohne US-amerikanische Rechtsprechung. Schweizer Behörden können nur über ein aufwändiges Gerichtsverfahren Daten anfordern, und da Proton keine Verbindungslogs speichert, gibt es im Ernstfall nichts herauszugeben. Diese No-Log-Richtlinie wurde durch echte Gerichtsfälle bestätigt: Als Schweizer Behörden Nutzerdaten anforderten, konnte Proton nachweisen, keine verwertbaren Daten zu haben.

ExpressVPN ist formal auf den Britischen Jungferninseln ansässig, einem britischen Überseegebiet ohne Datenspeicherpflichten. Seit der Übernahme durch Kape Technologies – ein britisch-israelisches Unternehmen – ist die Frage des effektiven Unternehmensstandorts komplexer geworden. ExpressVPN behauptet ebenfalls eine strikte No-Log-Richtlinie und hat diese durch Audits und einen realen Vorfall (2017: Server in der Türkei beschlagnahmt, keine verwertbaren Logs gefunden) unter Beweis gestellt.

3. Open Source & Transparenz

Hier zeigt sich ein klarer Unterschied: ProtonVPN hat alle seine Apps – Windows, macOS, Linux, Android, iOS – als Open-Source-Software auf GitHub veröffentlicht. Jeder kann den Code einsehen, prüfen und auf Hintertüren untersuchen. Unabhängige Sicherheitsfirmen (Cure53, SEC Consult) haben die Apps regelmäßig auditiert und die Ergebnisse werden öffentlich veröffentlicht.

ExpressVPN hat sein proprietäres Lightway-Protokoll 2021 als Open Source veröffentlicht – ein Fortschritt. Die Apps selbst sind jedoch weiterhin Closed Source. Das bedeutet: Du kannst nicht unabhängig überprüfen, was die App auf deinem Gerät tatsächlich macht. ExpressVPN lässt ebenfalls Audits durchführen, aber der Umfang der Überprüfbarkeit ist kleiner als bei ProtonVPN.

4. Geschwindigkeit & Servernetzwerk

ExpressVPN hat jahrelang mit seinen Geschwindigkeiten geworben – zu Recht. Das proprietäre Lightway-Protokoll (basierend auf wolfSSL) ist auf niedrige Latenz und hohen Durchsatz optimiert und schneidet in unabhängigen Tests oft sehr gut ab.

ProtonVPN nutzt WireGuard und seinen eigenen VPN Accelerator, der Multi-Threading nutzt, um auf schnellen Anschlüssen sehr hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. In der Praxis sind beide VPNs für Streaming, Gaming und Downloads mehr als schnell genug – der Unterschied ist für die meisten Nutzer nicht spürbar.

KriteriumProtonVPN PlusExpressVPN
UnternehmensstandortSchweiz (Proton AG)Brit. Jungferninseln / Kape Technologies
Open-Source-Apps Alle Apps Nur Protokoll
Unabhängige Audits
No-Log-Richtlinie Gerichtlich bestätigt Praxisbewährt
EigentümerProton AG (Non-Profit-orientiert)Kape Technologies (ex-Crossrider)
ProtokollWireGuard, OpenVPN, IKEv2Lightway, OpenVPN, IKEv2
Kill Switch
Split-Tunneling
Werbeblocker NetShield Threat Manager
Multi-Hop / Double VPN Secure Core
Servernetzwerk5.000+ in 100+ Ländern3.000+ in 105 Ländern
Geräte gleichzeitig108
Kostenloser Tarif
Preis / Monat (Jahresabo)ca. 4–5 €ca. 7–9 €
Geld-zurück-Garantie30 Tage30 Tage

5. Preis im Vergleich

Der Preisunterschied ist erheblich: ExpressVPN kostet im Jahresabo rund 7–9 Euro pro Monat – je nach Aktionszeitraum. ProtonVPN Plus liegt bei rund 4–5 Euro. Das ist fast die Hälfte für ein vergleichbares oder aus Datenschutzsicht überlegenes Produkt.

Der hohe Preis von ExpressVPN spiegelt vor allem die enormen Marketingausgaben wider. ExpressVPN ist eines der am stärksten beworbenen VPNs weltweit und zahlt Affiliates überdurchschnittlich hohe Provisionen – was erklärt, warum so viele Vergleichsseiten ExpressVPN bevorzugt empfehlen. Für den Endnutzer bedeutet das: Du zahlst mit für Marketing, nicht nur für das Produkt.

6. Fazit & Empfehlung

ExpressVPN ist ein technisch gutes Produkt mit langer Geschichte und bewährter No-Log-Richtlinie. Wer ein schnelles, unkompliziertes VPN will und bereit ist, deutlich mehr zu bezahlen, wird damit nicht enttäuscht.

Für die meisten Nutzer ist ProtonVPN Plus aber die bessere Wahl: Es ist günstiger, vollständig Open Source, sitzt in einem stärkeren Rechtsrahmen (Schweiz) und gehört einem Unternehmen ohne kontroverse Geschichte. Die höhere Transparenz durch öffentlichen Quellcode ist ein echter und messbarer Vorteil – kein Marketingversprechen.

Unser Rat: Wenn du ExpressVPN nur wegen seines Rufs in Betracht ziehst – teste zuerst ProtonVPN kostenlos. Du bekommst mehr für weniger Geld. Wenn du danach nicht überzeugt bist, gibt es noch immer die 30-Tage-Garantie von ProtonVPN Plus.