1. Datenschutz & Unternehmensstandort
Der Unternehmensstandort ist für VPN-Nutzer kein triviales Detail – er bestimmt, welchen Gesetzen ein Anbieter unterliegt und ob er auf Behördenanfragen reagieren muss. Hier unterscheiden sich ProtonVPN und NordVPN klar voneinander.
ProtonVPN hat seinen Sitz in Genf, Schweiz. Das Schweizer Datenschutzrecht gilt als eines der strengsten der Welt, und die Schweiz ist weder Mitglied der EU noch Teil von US-amerikanischen Überwachungsallianzen wie den 5 Eyes, 9 Eyes oder 14 Eyes. Behörden anderer Länder haben es sehr schwer, Proton zur Herausgabe von Nutzerdaten zu zwingen. Selbst Schweizer Behörden können nur über ein aufwändiges Gerichtsverfahren Daten anfordern – und da Proton keine Verbindungsprotokolle speichert, gibt es meist nichts herauszugeben.
NordVPN hat seinen Sitz in Panama, einem Land ohne Datenspeicherpflichten und außerhalb jeder Überwachungsallianz. Das ist ebenfalls ein guter Standort für ein VPN-Unternehmen. Allerdings gab es 2018 einen Sicherheitsvorfall: Ein finnischer Rechenzentrumspartner, bei dem NordVPN einen Server betrieb, hatte unbefugten Zugriff auf diesen Server ermöglicht. NordVPN betonte, dass keine Nutzerdaten kompromittiert wurden, da keine Logs gespeichert waren. Das Unternehmen hat seitdem umfangreiche Sicherheitsverbesserungen vorgenommen und mehrere unabhängige Audits durchführen lassen. Der Vorfall ist aufgearbeitet – aber er existiert in der Geschichte des Unternehmens.
2. Open Source & Transparenz
Ein VPN zu vertrauen ist immer eine Frage des Vertrauens – und Vertrauen lässt sich am besten durch Transparenz aufbauen. Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Anbietern.
ProtonVPN hat alle seine Clients – Windows, macOS, Linux, Android, iOS – als Open-Source-Software veröffentlicht. Der Quellcode ist auf GitHub öffentlich einsehbar und wurde von unabhängigen Sicherheitsforschern geprüft. Außerdem lässt Proton seine gesamte Infrastruktur regelmäßig von externen Sicherheitsfirmen auditieren und veröffentlicht die Ergebnisse. Das ist im VPN-Markt einzigartig.
NordVPN hat in den letzten Jahren ebenfalls Fortschritte in Sachen Transparenz gemacht und lässt unabhängige Audits seiner No-Log-Richtlinie durchführen. Allerdings sind die NordVPN-Apps nicht vollständig Open Source. Das bedeutet nicht, dass NordVPN unsicher ist – aber man muss dem Unternehmen ein höheres Maß an Vertrauen entgegenbringen, da der Code nicht öffentlich überprüfbar ist.
3. Geschwindigkeit & Servernetzwerk
In puncto Geschwindigkeit schenken sich beide VPNs mit modernem Hardware und WireGuard-Protokoll kaum etwas. In unabhängigen Geschwindigkeitstests erreichen beide Dienste Werte, die im Alltag – auch beim 4K-Streaming oder bei großen Downloads – kaum spürbare Einbußen gegenüber einer unverschlüsselten Verbindung verursachen.
NordVPN betreibt ein leicht größeres Servernetzwerk mit über 6.000 Servern in mehr als 110 Ländern. Das bietet in sehr spezifischen Regionen oder für Nutzer mit sehr speziellen Anforderungen einen kleinen Vorteil. NordVPN bietet außerdem seinen proprietären NordLynx-Protokoll an, das auf WireGuard basiert und in manchen Tests die schnellsten Ergebnisse liefert.
ProtonVPN kontert mit seinem VPN Accelerator – einer eigenen Technologie, die Multi-Threading und andere Optimierungen nutzt, um die Verbindungsgeschwindigkeit deutlich zu steigern. Auf schnellen Internetanschlüssen und bei Servern in der Nähe erzielt ProtonVPN sehr konkurrenzfähige Geschwindigkeiten. Das Servernetzwerk ist mit 5.000+ Servern in 100+ Ländern ebenfalls sehr groß.
4. Streaming-Eignung
Streaming ist für viele Nutzer einer der wichtigsten Anwendungsfälle für ein VPN. Beide Anbieter haben in diesem Bereich stark investiert und entsperren die meisten populären Streaming-Dienste zuverlässig.
NordVPN bietet neben klassischen VPN-Servern auch SmartDNS an – ein Dienst, der Geo-Sperren bei Streaming umgeht, ohne den gesamten Traffic zu verschlüsseln. Das ist praktisch für Smart TVs und andere Geräte, auf denen kein VPN installiert werden kann. Außerdem gibt es „Obfuscated Server" für restriktive Netzwerke und Länder.
ProtonVPN hat ebenfalls ein starkes Streaming-Netzwerk und entsperrt Netflix, Disney+, Amazon Prime, BBC iPlayer und viele andere Dienste zuverlässig. Besonders für deutsche Nutzer ist relevant, dass ProtonVPN deutsche Streaming-Server bietet, die ARD Mediathek, ZDF Mediathek und MagentaSport von überall zugänglich machen – etwas, das NordVPN in dieser Form weniger explizit bewirbt. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu ARD & ZDF Mediathek im Ausland.
5. Preis im Vergleich
Beide VPNs sind im Jahresabo preislich sehr ähnlich und liegen bei rund 4–6 Euro pro Monat. Die genauen Preise schwanken je nach Aktionszeitraum und gewählter Laufzeit. Monatsabos sind bei beiden deutlich teurer (8–12 Euro/Monat). Sowohl ProtonVPN als auch NordVPN bieten eine 30-tägige Geld-zurück-Garantie an.
Ein wichtiger Unterschied beim Preis-Leistungs-Vergleich: ProtonVPN erlaubt 10 Geräte gleichzeitig, NordVPN nur 6 Geräte (Stand 2026). Wer viele Geräte in der Familie schützen möchte, bekommt bei ProtonVPN mehr für sein Geld. Aktuelle Preise und Rabattaktionen findest du auf der ProtonVPN-Übersichtsseite.
6. Features-Vergleich auf einen Blick
| Feature | ProtonVPN Plus | NordVPN |
|---|---|---|
| Unternehmensstandort | Schweiz | Panama |
| Open-Source-Apps | Alle Apps | Teilweise |
| Unabhängige Audits | ||
| No-Log-Richtlinie | ||
| WireGuard-Protokoll | (NordLynx) | |
| Kill Switch | ||
| Split-Tunneling | ||
| Werbeblocker | NetShield | CyberSec |
| Multi-Hop | Secure Core | Double VPN |
| P2P / Torrents | ||
| SmartDNS | ||
| Streaming-Server | ||
| Geräte gleichzeitig | 10 | 6 |
| Server | 5.000+ in 100+ Ländern | 6.000+ in 110+ Ländern |
| Kostenloser Tarif | ||
| Preis / Monat (Jahresabo) | ca. 4–5 € | ca. 3–5 € |
7. Unser Fazit
Sowohl ProtonVPN als auch NordVPN sind ausgezeichnete VPN-Dienste, die sich von 99 % des restlichen VPN-Markts positiv abheben. Beide bieten starken Datenschutz, gute Geschwindigkeiten, zuverlässiges Streaming und faire Preise. Eine klare Empfehlung, wer der „Sieger" ist, wäre unehrlich – es kommt auf deine Prioritäten an.
Wähle ProtonVPN, wenn dir Open-Source-Transparenz besonders wichtig ist, wenn du das höchste Maß an überprüfbarem Datenschutz möchtest, wenn du mehr als 6 Geräte schützen willst, oder wenn du am deutschen Markt interessiert bist und auch Proton Mail oder Proton Drive als Ökosystem nutzen möchtest. Auch das einzigartige kostenlose Angebot von ProtonVPN ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
Wähle NordVPN, wenn du SmartDNS auf einem Smart TV benötigst, wenn du in einem Bereich lebst, wo NordVPNs größeres Servernetzwerk einen messbaren Vorteil bietet, oder wenn du ein bestimmtes Aktionsangebot nutzen möchtest. NordVPN ist nach dem Sicherheitsvorfall von 2018 gestärkt hervorgegangen und hat seitdem erheblich in seine Sicherheitsinfrastruktur investiert.