1. Kurzvorstellung beider Anbieter
ProtonVPN wurde 2017 vom Genfer CERN-Forscherteam gegründet, das zuvor bereits Proton Mail entwickelt hatte. Die Schweizer Firma ist seit jeher auf Datenschutz, Transparenz und Open Source fokussiert. ProtonVPN ist Teil des breiteren Proton-Ökosystems, zu dem auch Proton Mail, Proton Drive und Proton Pass gehören. Das Unternehmen finanziert sich über Abonnements und lehnt Werbeeinnahmen grundsätzlich ab.
Surfshark wurde 2018 in den Britischen Jungferninseln gegründet und hat seinen aktuellen Firmensitz in den Niederlanden. Das Unternehmen ist vor allem für sein aggressives Preismodell und die Besonderheit bekannt, unbegrenzt viele Geräte gleichzeitig zu unterstützen. 2022 wurde Surfshark von Nord Security übernommen – dem Mutterkonzern hinter NordVPN. Beide Marken operieren weiterhin unter eigenen Namen.
2. Datenschutz & Unternehmensstandort
Der Firmensitz ist beim Thema VPN und Datenschutz kein Nebenpunkt – er bestimmt, welchen Behörden und Gesetzen ein Anbieter unterliegt.
ProtonVPN sitzt in der Schweiz: ein Land mit einem der strengsten Datenschutzgesetze der Welt, das weder EU-Mitglied ist noch den 5-Eyes-, 9-Eyes- oder 14-Eyes-Überwachungsallianzen angehört. Selbst wenn eine ausländische Behörde Nutzerdaten anfordern würde, muss der Antrag den Schweizer Rechtsweg durchlaufen – ein aufwändiger Prozess, bei dem am Ende oft keine verwertbaren Daten vorhanden sind, weil ProtonVPN keine Verbindungsprotokolle führt.
Surfshark sitzt in den Niederlanden – einem EU-Mitgliedstaat, der den 9-Eyes-Geheimdiensten angehört. Das bedeutet, dass niederländische Behörden prinzipiell leichteren Zugriff auf ein dort ansässiges Unternehmen haben als auf ein Schweizer. Surfshark betont, keine Verbindungslogs zu speichern – was durch ein unabhängiges Audit bestätigt wurde. Die strukturelle Schwäche des EU-Standorts bleibt aber bestehen: Im Zweifelsfall müsste Surfshark EU-Rechtshilfeersuchen nachkommen.
Hinzu kommt die Nord-Security-Übernahme 2022: Surfshark gehört nun zum gleichen Konzern wie NordVPN. Das schließt nicht aus, dass beide Dienste unterschiedliche Datenschutzpraktiken pflegen – aber wer Unabhängigkeit als Kriterium setzt, hat hier einen Minuspunkt zu vermerken.
3. Open Source & Audits
ProtonVPN hat alle seine Clients – für Windows, macOS, Linux, Android und iOS – als Open-Source-Software auf GitHub veröffentlicht. Jeder kann den Code einsehen, prüfen und Sicherheitslücken melden. Zusätzlich lässt ProtonVPN seine Infrastruktur und Apps regelmäßig von unabhängigen Sicherheitsfirmen auditieren und veröffentlicht die Ergebnisse. Das ist im VPN-Markt nach wie vor selten und schafft ein hohes Maß an überprüfbarer Transparenz.
Surfshark hat seine Apps nicht vollständig als Open Source veröffentlicht. Das Unternehmen lässt die No-Log-Richtlinie extern auditieren und kommuniziert Sicherheitsthemen professionell – aber die Apps selbst sind nicht öffentlich einsehbar. Nutzer müssen darauf vertrauen, dass der Code so funktioniert, wie behauptet.
4. Geschwindigkeit
Beide Anbieter setzen auf WireGuard als primäres Protokoll und liefern in der Praxis sehr gute Geschwindigkeiten. Für die große Mehrheit der Nutzer – auch beim 4K-Streaming, Gaming oder bei großen Downloads – sind die Unterschiede kaum spürbar.
ProtonVPN setzt zusätzlich auf den VPN Accelerator, eine proprietäre Technologie, die Multi-Threading und fortschrittliches Routing nutzt, um auf schnellen Internetanschlüssen besonders hohe Durchsatzraten zu erzielen. In Tests auf Gigabit-Verbindungen erzielt ProtonVPN damit überdurchschnittliche Werte.
Surfshark hat mit Nexus ein eigenes Routing-Netzwerk entwickelt, das alle Verbindungen über ein verteiltes Servernetz leitet. Das ermöglicht Features wie Dynamic MultiHop, kann in bestimmten Szenarien aber auch die Latenz leicht erhöhen. Im Alltag ist Surfshark sehr schnell und für alle normalen Anwendungsfälle mehr als ausreichend.
Mehr zum Thema Protokollwahl liest du in unserem Ratgeber zu VPN-Anbietern mit WireGuard.
5. Preisvergleich
Beim Preis unterscheiden sich beide Anbieter deutlich – je nachdem, welchen Tarif und welche Laufzeit man wählt:
- Surfshark ist im 2-Jahres-Abo oft besonders günstig und kann auf unter 2 Euro pro Monat fallen. Damit ist Surfshark einer der preisgünstigsten Premium-VPN-Anbieter auf dem Markt.
- ProtonVPN ist im Vergleich etwas teurer (ca. 4–5 Euro/Monat im Jahresabo), bietet aber als einziger der beiden Anbieter einen dauerhaft kostenlosen Tarif ohne Datenlimit und ohne Werbung – mit Zugang zu Servern in drei Ländern.
- Beide bieten eine 30-tägige Geld-zurück-Garantie.
Wer das günstigste Abo sucht, ist bei Surfshark besser aufgehoben. Wer erst unverbindlich testen möchte oder ein VPN kostenlos nutzen will, hat mit ProtonVPN eine Alternative ohne Risiko. Aktuelle Preise findest du auf der ProtonVPN-Übersichtsseite.
6. Features im Detail
Beide Anbieter bieten alle wesentlichen VPN-Funktionen – Kill Switch, Split Tunneling, DNS-Leak-Schutz. Einige Features unterscheiden sich jedoch:
ProtonVPN-Highlights:
- NetShield: DNS-basierter Werbeblocker, der Tracker, Malware-Domains und Werbung blockiert
- Secure Core: Multi-Hop-Verbindungen über Schweiz, Island oder Schweden – ideal für Hochrisikoszenarien
- Kill Switch überall: Auf Windows, macOS, Linux, Android und iOS verfügbar
- Stealth-Protokoll: VPN-Traffic wird als HTTPS getarnt – funktioniert auch hinter restriktiven Firewalls
- Proton-Ökosystem: Nahtlose Integration mit Proton Mail, Proton Drive und Proton Pass
Surfshark-Highlights:
- CleanWeb: Werbeblocker und Malware-Schutz auf DNS-Ebene
- Alternative ID: Generiert eine alternative digitale Identität mit eigener E-Mail-Adresse
- Unbegrenzte Geräte: Kein Limit bei gleichzeitigen Verbindungen – ideal für Familien
- Camouflage Mode: Verschleiert WireGuard/OpenVPN-Traffic in restriktiven Netzen
- Dynamic MultiHop: Zwei beliebige Serverstandorte zu einer Verbindungskette kombinieren
7. Streaming
Beide Anbieter entsperren die großen internationalen Streaming-Plattformen wie Netflix, Disney+, Amazon Prime Video und BBC iPlayer zuverlässig.
Für deutsche Nutzer im Ausland gibt es einen relevanten Unterschied: ProtonVPN hat dedizierte deutsche Streaming-Server, die speziell für den Zugang zu ARD Mediathek, ZDF Mediathek und MagentaSport optimiert sind. Gerade öffentlich-rechtliche Mediatheken sperren oft aggressiver als kommerzielle Streaming-Dienste und blockieren viele VPN-Server. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur ARD & ZDF Mediathek im Ausland.
Surfshark ist beim Streaming ebenfalls stark, bietet aber keine explizit für deutsche öffentlich-rechtliche Mediatheken optimierten Server.
8. Geräteanzahl
Hier hat Surfshark einen klaren Vorteil: Das Unternehmen erlaubt unbegrenzt viele gleichzeitige Verbindungen mit einem einzigen Abo. Wer viele Geräte in Haushalt und Familie schützen möchte – Smartphones, Laptops, Tablets, Smart TVs – kommt mit einem Surfshark-Abo aus.
ProtonVPN Plus erlaubt 10 gleichzeitige Verbindungen – für die meisten Einzelnutzer und sogar kleinere Familien ausreichend, aber kein unlimitiertes Angebot.
9. Große Vergleichstabelle
| Kriterium | ProtonVPN Plus | Surfshark |
|---|---|---|
| Firmensitz | Schweiz | Niederlande (EU) |
| Geheimdienstallianzen | Keine (außerhalb 5/9/14 Eyes) | 9 Eyes (EU-Mitglied) |
| Open-Source-Apps | Alle Apps | Nicht vollständig |
| Unabhängige Audits | ||
| No-Log-Richtlinie | ||
| WireGuard-Protokoll | ||
| Kill Switch | Alle Plattformen | |
| Werbeblocker | NetShield | CleanWeb |
| Multi-Hop | Secure Core | Dynamic MultiHop |
| Deutsche Mediatheken | Sehr gut | Eingeschränkt |
| Geräte gleichzeitig | 10 | Unbegrenzt |
| Kostenloser Tarif | Dauerhaft, kein Limit | Nur 7-Tage-Test |
| Preis/Monat (Jahresabo) | ca. 4–5 € | ca. 3–4 € |
| Preis/Monat (2-Jahresabo) | ca. 4 € | ca. 2 € (günstigster) |
| Geld-zurück-Garantie | 30 Tage | 30 Tage |
| Unabhängigkeit | Proton AG | Nord Security |
10. Fazit: Für wen welches VPN?
Sowohl ProtonVPN als auch Surfshark sind solide VPN-Dienste, die sich für den täglichen Einsatz eignen. Die Entscheidung hängt von deinen Prioritäten ab:
Wähle ProtonVPN, wenn…
- dir Datenschutz und Transparenz besonders wichtig sind – Schweizer Recht + Open Source ist das stärkste Paket im Markt
- du ARD, ZDF und andere deutsche Mediatheken aus dem Ausland nutzen möchtest
- du das VPN kostenlos testen oder dauerhaft kostenlos nutzen willst (Free-Tier)
- du das Proton-Ökosystem nutzt oder nutzen möchtest (Mail, Drive, Pass)
- du ein VPN von einem unabhängigen Unternehmen bevorzugst
Wähle Surfshark, wenn…
- du sehr viele Geräte gleichzeitig schützen möchtest (Familie, viele Endgeräte) – unbegrenzte Verbindungen
- du das günstigste mögliche Abo suchst – im 2-Jahres-Tarif kaum zu unterbieten
- du die Alternative-ID-Funktion oder den Camouflage Mode benötigst